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Rechnergestützte Verzugsvorhersage in der extrusionsbasierten additiven Fertigung von Kunststoffbauteilen

Affiliation/Institute
Institut für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik (IWF)
Albers, Johannes

Eine lange Zeit waren extrusionsbasierte additive Fertigungsverfahren im industriellen Umfeld überwiegend zur Herstellung von Konzeptmodellen im frühen Entwicklungsstadium etabliert. Mit zunehmendem technologischem Fortschritt bei Anlagen und Werkstoffen hat sich ihr Einsatzgebiet in jüngerer Vergangenheit deutlich ausgeweitet und reicht nun über funktionale Prototypen bis hin zu marktreifen Bauteilen in Kleinserien. Dies bedingt höhere Qualitätsansprüche und steigenden Kostendruck, der wiederum ein höheres Risiko für Prozessfehler durch Bauteilverzug mit sich bringt. Um dieses Spannungsfeld bewältigen zu können, bedarf es einer präzisen Auslegung des Fertigungsvorgangs, die ihrerseits ein grundlegendes Prozessverständnis erfordert.
Validierte virtuelle Methoden tragen in diesem Kontext erheblich zum Erkenntnisgewinn bei, da sie Einflüsse isoliert betrachten und Einblicke in nicht messbare Größen liefern können. Bisherige Ansätze fokussieren sich jedoch nur auf einzelne Teile des Gesamtvorgangs, sodass auch die Verzugsvorhersage auf idealisierenden Annahmen beruht. Damit eine gleichermaßen umfassende und schlanke Prozessauslegung möglich wird, müssen Erkenntnisse zu anderen Teilvorgängen des Fertigungsverfahrens auf effiziente Weise in die Verzugsvorhersage integriert werden.
Vor diesem Hintergrund verfolgt die vorliegende Arbeit das Ziel, eine rechnergestützte Methodik zu entwickeln, die den Bauteilverzug im extrusionsbasierten additiven Fertigungsverfahren vorhersagt und hierfür das Fließ- und Schwindungsverhalten bei der Strangablage berücksichtigt.
Mithilfe einer numerischen Sensitivitätsanalyse wird zunächst der Einfluss der Strangdimensionen auf den Bauteilverzug quantifiziert. Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass diese Größen maßgeblich zum Bauteilverzug beitragen. Mit einer analytischen Berechnung wird im nächsten Schritt der Temperatureinfluss bei der Strangausformung abgeschätzt. Dieser wird insbesondere bei den Randbedingungen großvolumiger Fertigungsverfahren als vernachlässigbar eingestuft. Aufbauend auf den Ergebnissen wird ein isothermes numerisches Modell für die Strangausformung erzeugt und anhand dieses Modells eine Methodik zur effizienten und einheitlichen Ermittlung der Strangform ausgearbeitet. Zu diesem Zweck werden die Zeit- und Ortsabhängigkeit der Strangform analysiert und in Parameterstudien der Einfluss von Modell- und Fertigungseinstellungen auf die Strangform evaluiert. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Wirkzusammenhänge bei der Strangausformung empirisch beschreiben lassen.
Zusätzlich wird ein nicht-isothermes numerisches Modell der Strangschwindung erzeugt, um das Modell der Strangausformung zu erweitern und die zeitliche Änderung der Strangform während der Abkühlung zu beschreiben. Anhand dieses Modells werden in Parameterstudien die Wirkzusammenhänge bei der Schwindung des Strangs ermittelt. Da die Modelle für Strangausformung und -schwindung eine sequenzielle Prozesskette bilden, wird zudem die Fehlerfortpflanzung innerhalb dieser Prozesskette untersucht. Diese liegt in der Größenordnung des inhärenten numerischen Fehlers. Eine abschließende experimentelle Validierung der entwickelten Methodik zeigt einerseits, dass die Einflüsse von Fertigungseinstellungen qualitativ richtig beschrieben werden. Andererseits legen die ermittelten quantitativen Abweichungen nahe, dass diverse weitere Effekte den Bauteilverzug maßgeblich beeinflussen und zukünftig in die Gesamtbetrachtung miteinbezogen werden müssen.

For a long time, material extrusion additive manufacturing has been used in the industrial sector mainly to produce concept models in the early development stage. Increasing technological progress in machinery and materials widened its range of applications to functional prototypes and end-use components in small series. This goes along with higher quality demands and increasing pressure on costs, which in turn leads to a higher risk of process issues due to part warpage. In order to manage these conflicting priorities, a precise process engineering is required, which involves a fundamental understanding of the process.
Validated virtual methods make a significant contribution to gaining knowledge in this context, as they offer the possibility to assess factors separately and to provide insight into non-measurable variables. However, previous approaches solely focus on sub-processes and the warpage prediction therefore relies on idealising assumptions. In order to facilitate process engineering in a comprehensive and lean manner, findings from other sub-processes have to be integrated efficiently into the warpage prediction.
In light of the above, the present work aims to develop a computer-aided methodology which is capable of predicting the part warpage in material extrusion additive manufacturing while considering the flow and shrinkage behaviour during bead deposition.
At first, using a numerical sensitivity analysis, the influence of the bead dimensions on part warpage is quantified. The results of this analysis reveal that the bead dimensions have a significant impact on part warpage. As a next step, the temperature effect on bead shaping is estimated in an analytical calculation. This effect subsequently is considered negligible, particularly given the boundary conditions of large-scale additive manufacturing. Based on these results, an isothermal numerical model of bead shaping is created and utilised to establish a methodology for an efficient and consistent determination of bead shapes. For this purpose, the dependence of bead shapes on time and location is analysed and the influence of numerical settings as well as production settings on the bead shape is assessed in parametric studies. The results show that the process relationships during bead shaping can be described empirically.
Additionally, a non-isothermal numerical model of bead shrinkage is created to extend the previous model of bead shaping and capture the temporal change of the bead shape as it cools down. Using this model, the process relationships of bead shrinkage are determined in parametric studies. Since the models of bead shaping and bead shrinkage form a sequential process chain, the error propagation within this process chain is also examined. It has the order of magnitude of the inherent numerical error. Ultimately, an experimental validation of the developed methodology reveals, on the one hand, that the effects of production settings are captured accurately in qualitative terms. On the other hand, quantitative deviations are pointed out which suggest that various other factors contribute to part warpage in a significant way and must be taken into account in future studies.

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