Modellierung der Matrizenbefüllung an Rundlauftablettenpressen
Tabletten sind die am häufigsten genutzte feste Darreichungsform für Arzneimittel. Für die industrielle Herstellung werden Rundlauftablettenpressen genutzt, die bis zu 1,6 Millionen Tabletten pro Stunde produzieren können. Um eine gleichbleibende und vollständige Matrizenfüllung und somit Tablettenmasse zu gewährleisten, muss der Pulverfluss zeitlich konstant und ausreichend hoch sein. Füllschuhe, die ein oder mehrere rotierende Flügelräder mit einstellbarer Drehzahl besitzen, ermöglichen dabei den Pulvertransport. Zudem werden zwei Füllmechanismen unterschieden, die gravimetrische und unterdruckgetriebene Befüllung. Letztere tritt beim Niederzug des Unterstempels während des Füllvorgangs auf und resultiert im Allgemeinen in höheren Füllgraden. Neben dem Füllmechanismus bestimmt das Zusammenspiel aus Pulvereigenschaften und genutzten Prozess- und Maschinenparametern die gefüllte Pulvermasse. Bis heute ist auf Grund dieser komplexen Zusammenhänge eine prädiktive Auslegung des Füllprozesses nicht oder nur unzureichend möglich, sodass eine unvollständige oder inkonsistente Matrizenfüllung eine der häufigsten Ursachen für eine verminderte Tablettenqualität darstellt. In dieser Arbeit wird die Matrizenbefüllung an Rundlauftablettenpressen vom Pilot- bis zum Produktionsmaßstab mit einem einflügligen und einem zweiflügligen Füllschuh für die beiden beschriebenen Füllmechanismen tiefgreifend untersucht. Für die gravimetrische Befüllung in einer Pilotpresse wird ein Prozessmodell entwickelt, das basierend auf Pulvereigenschaften, Prozess- und Maschinenparametern die minimal benötigte Flügeldrehzahl für die vollständige Matrizenfüllung vorhersagt. Eine Weiterentwicklung des Modells ermöglicht die Skalierbarkeit zwischen Pilot- und Produktionstablettenpressen für die gravimetrische Füllung mit einem einflügligen und einem zweiflügligen Füllschuh. Es wird gezeigt, dass der dynamische Luftdruck in der Matrize, der von der Bahngeschwindigkeit der Matrizen abhängt, für die Vorhersage der Pulvervolumenströme berücksichtigt werden muss. Um die Mechanismen der gravimetrischen Befüllung tiefer zu verstehen, werden Füllversuche mit elf Materialien durchgeführt, die sich in ihrer Partikelgrößenverteilung, der Feststoff-, Schütt- und Stampfdichte sowie ihrer Morphologie unterscheiden. Dabei wird nachgewiesen, dass das Füllergebnis mit der Archimedeszahl, die zur Berechnung der Sinkgeschwindigkeit von Einzelpartikeln genutzt wird, in Verbindung gebracht werden kann. Untersuchungen unterschiedlicher Stempeldurchmesser (5 – 20 mm) zeigen außerdem, dass die minimale Flügeldrehzahl näherungsweise unabhängig von dem Matrizendurchmesser ist und die Stempelfläche zur Normierung des Pulverflusses genutzt werden kann. Schließlich kann der Modellansatz unter Berücksichtigung strömungsmechanischer Zusammenhänge für die unterdruckgetriebene Befüllung weiterentwickelt werden. Hier stellt insbesondere die Niederzugsgeschwindigkeit des Unterstempels einen wesentlichen Einflussfaktor dar. Die vorliegende Arbeit trägt maßgeblich zum Prozessverständnis der gravimetrischen und unterdruckgetriebenen Matrizenbefüllung an Rundlauftablettenpressen bei. Die entwickelten Modelle können zukünftig die Prozessentwicklung beschleunigen sowie für Prozessoptimierungen genutzt werden und ermöglichen so eine robuste und materialsparende Methode zur Prozessentwicklung.
Tablets are the most commonly used solid oral dosage form. For industrial production, rotary tablet presses are used, which can produce up to 1.6 million tablets per hour. The powder flow has to be constant and sufficiently high to ensure consistent and complete die filling, and therefore tablet weight. Feed frames, which have one or more rotating paddles with adjustable speed, support the powder flow into the dies. Two filling mechanisms can be distinguished: gravity and suction filling. The latter occurs when the lower punch is pulled downwards during the filling process and generally results in higher filling levels. In addition to the filling mechanism, the interaction of powder properties and the process and machine parameters used determines the filled powder mass. Due to these complex relationships, a predictive design of the filling process is still not or only insufficiently possible, so that incomplete or inconsistent die filling is one of the most frequent causes of reduced tablet quality. In this work, die filling on rotary tablet presses from pilot to production scale using feed frames with one and two paddles and considering the two described filling mechanisms is investigated in depth. A process model for gravity filling in a pilot press is developed that predicts the minimum required paddle speed for complete die filling based on powder properties, process, and machine parameters. In order to allow the scalability between pilot and production-scale tablet presses with feed frames with one or two paddles, the process model for gravity filling is extended. Therefore, the dynamic air pressure inside the die, which depends on the rotational speed, is to be taken into account to predict powder volume flows. In order to gain a deeper understanding of the mechanisms of gravity filling, experiments are carried out with eleven materials that differ in their particle size distribution, solid, bulk, and tapped density and morphology. The filling results are linked to the Archimedes number, which is used to calculate the sedimentation velocity of individual particles. Investigations of different die diameters (5-20 mm) show that the minimum paddle speed is approximately independent of the die diameter. Additionally, the die surface area is used to normalize the powder flow. Finally, the model approach is extended for suction filling, taking into account fluid mechanical relationships. Here, the pull-down velocity of the lower punch in particular is a significant influencing factor. The present work contributes to the process understanding of gravity and suction filling on rotary tablet presses. The models developed can accelerate process development in the future. Additionally, they can be used for process optimization, thus enabling a robust and material-saving method for process development.
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